Namaste und herzlichen Willkommen zu Davesyndrom.
Heute sollte es mal um den Konsum von Alkohol und Cannabis gehen.
In diesem Blog-Beitrag werde ich euch meine Gedanken und Erfahrungen zu diesen beiden Substanzen teilen.
In Erster Linie möchte ich aber nicht mehr Öl ins Feuer giessen, über die verflochtene Debatte, welches dieser beiden Substanzen nun schlimmer ist. Des Weiteren möchte ich mit diesem Beitrag niemanden persönlich angreifen oder kontrovers klingen, da ich ja selbst beides, und eines davon (Alkohol), bis dato (in einem gesünderen Masse als früher) konsumiere.
Vor allem aber möchte ich über niemanden urteilen – wer bin ich schon, um so etwas überhaupt dürfen zu können? Nein meine Absicht ist es eher dich als Leser zur Selbstreflexion zu animieren. Wie du deinen Konsum einer oder beiden Substanzen wahrnimmst oder wahrgenommen hast. Ich wünsche Dir viel spass beim Lesen und bin gerne auch für einen Austausch zu dieser Thematik bereit.
Fangen wir an…
Früh hatte ich an einem Joint geraucht. Nach dem Tod meines Vaters im Jahre 2015 hatte es angefangen. Ich war jung und war mit gleichgesinnten unterwegs: wir waren jung, rebellisch, verletzlich und wollten eigentlich nichts anderes als uns lebendig fühlen – vor allem aber – den Problemen in den eigenen vier Wänden entfliehen. Wir trafen uns, holten billiges Gras vom Asylanten von nebenan, währenddessen wir unsere 20 Schweizerfranken zusammen kratzen, um für einige Stunden weg zu sein – eine grandiose Zeit war es gewesen, man fühlte sich irgendwie nie alleine, da man sich doch täglich traf, um an diesen Joint zu ziehen, und einfach zu sein – sorgenfrei zu sein – das beschreibt es am besten und so fühlte es sich auch an…
Wir alle sassen im selben Boot und trugen alle unser Gepäck mit uns. Die Stunden der Gemeinsamkeiten fühlten sich deshalb nach etwas an, was wir zuhause wohl nicht hatten; ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Verständnisses.
Mit den Jahren, so wird man meist etwas vernünftiger. Nachdem ich also zwei Jahre meiner Jugend damit verbracht hatte mir meine Probleme wegzukiffen, kam dann die Stunde der Vernunft. Ich spürte in mir, dass es so nicht weitergehen kann. Man denke an die Elterngespräche, an denen ich „high“ erschienen war, währenddessen meine Lehrperson mich volllaberte, ohne, dass ich überhaupt etwas verstanden hatte, oder der Zeitpunkt, als es dann um die Lehrstellensuche ging… Meine Prioritätensetzung widerspiegelte sich zweifelslos in meinem Schulzeugnis und die Auswahlmöglichkeiten beschränkten sich aufgrund des Zeugnisses auf ein Minimum.
Als ich dann den Entschluss hatte den Konsum sein zu lassen, sind folgende Geschehnisse eingetroffen:
- Die Realität
- Der Verlust des Freundeskreises
- Die Suchtverlagerung
Auf einmal waren alle belastenden Gefühle, welche ich über die letzten zwei Jahre in mir trugf aber durch den Konsum unterdrückt hatte, wieder da. Die „Freunde“ welche ich täglich traf verblassten mit der Zeit immer mehr, bis keine mehr das waren. Waren das überhaupt wahre Freundschaften? Ist es nur dann eine Freundschaft, wenn man gemeinsam konsumiert? Würden diesen Freundschaften heute noch bestehen, hätte ich mit dem Konsum nie aufgehört?
Das sind Fragen bei denen ich nur spekulieren kann…
Als ich dem nicht mehr Stand halten konnte und die Realität, meine Gefühle als zu belastend empfand, griff ich also zum Glas – zu den Gläsern… Alkohol war ja immer da, da musste ich nicht zum Dealer von nebenan, sondern konnte mir dies beim nächsten Laden kaufen und anschließend darin versinken. Anders als beim Cannabis, hatte ich das aber nicht täglich, sondern nur an Wochenenden konsumiert, denn noch waren es Exzesse…Wir tranken bis zum Umfallen, bis zum Blackout.
Sowohl der Alkohol und der Cannabis füllten in mir eine Lücke; die Lücke des empfinden von Glückseligkeit.
Bevor ich mit dem nächsten Abschnitt weiter mache, möchte ich aber betonen, dass weder der Alkohol noch das Cannabis die Ursache für meine Depression gewesen war – sie füllten in mir etwas, was ich durch meine eher schwierige Kindheit verloren hatte; das Gefühl der Glückseligkeit – waren aber nicht die Ursache meiner Depression.
Während meiner Depression war ich gefangen: ich fühlte mich machtlos, verspürte Hass gegenüber mir selbst sowie der Menschheit und sah, denn Sinn nicht mehr zu leben. Die Einzige wirkliche Freude, die ich verspüren konnte, waren während den Alkoholexzessen an den Wochenenden und so freute ich mich am Montag bereits auf den Freitag, um trinken gehen zu können – so lange musste ich es noch aushalten…
Ich wusste aber, dass sich etwas ändern muss. Ich wollte nicht mehr in diesem elend sein, da ich tief in mir denn noch wusste, dass das Leben ein Ort der Einzigartigkeit ist und es schön ist, ein Teil dieses Universums zu sein. So passierte es nochmals! Die Suchtverlagerung!…
Im Jahr 2020 fing meine Depression an und litt auch unter Panikattacken, denn noch wusste ich irgendwie, dass die Meditation etwas gutes sei – eventuell, weil ich buddhistisch aufgewachsen war und als Kind zweimal Mönch gewesen war? Ich hatte nebst der Therapie Wege gesucht, mich aus diesem Elend zu befreien. Ich wollte schnellst möglichst wieder gesund sein… Jedenfalls war zu dieser Zeit CBD im Volksmund angekommen, es wurde berichtet, dass es gegen Panikattacken helfen könne. Schnell also in den nächsten Kiosk, CBD eingekauft und geraucht: nichts gespürt! Am nächsten Tag stehe ich also um 6 Uhr morgen auf und rauche eine gigantische Tüte CBD, während die ganze Nachbarschaft nach einer Plantage roch… Ich machte mich auf den Weg zur Arbeit, wobei ich als Transportmittel jeweils den Bus nutzte (ich hatte die Panikattacken unter vielen Menschen, wie unteranderem im ÖV) – und wow! Ich durchlebte die 20-minütige Fahrt ohne Panikattacke – ein Segen war es gewesen! Nach dem Konsum von CBD verspürte ich auch vermehret wieder die Lust nach THC. Unter anderen Menschen konnte ich dies nicht mehr konsumieren, da ich mich zutiefst unwohl gefühlt, bzw. ängstlich gefühlt hatte oder auch umgangssprachlich eher einen Bad-Trip durchlebte. Also begann ich zunächst das THC zuhause, alleine zu rauchen. Bei jedem inhalieren, merkte ich, dass ich auch alleine in einen Bad-Trip verfalle. So beschloss ich also anschliessend zu meditieren, um mich zu beruhigen. Dies hatte ich dann jeweils abends, einige Wochen wiederholt und bemerkte dabei, dass ich auch im Alltag weniger ängstlich gewesen war, dies aufgrund der Meditation – so jedenfalls – hatte ich mir meinen Konsum gut geredet. Ich frage mich, ob ich aufgrund der Mediation weniger ängstlich war oder aufgrund des täglichen Konsums einfach dümmer geworden war?
Ich verfiel wieder in alte Verhaltensmuster: Das Kiffen machte mich faul und antriebslos… Ich hätte vom morgen bis zum Abend nichts anders machen können, als zu kiffen… „weed makes you feel okay with doing nothing“ Zu jener Zeit wollte ich meine psychische Gesundheit wieder aufbauen und habe den Konsum von Cannabis im Zusammenhang mit der Mediation irgendwie als eine Art Selbsttherapie gesehen. Auch war ich zu jener Zeit infolge meiner psychischen Beschwerden arbeitslos, da ich mich entschied meine Ausbildung zum Pflegefachmann zu beenden. Der Konsum stieg zu jener Zeit wieder ins übermässige. Ich hatte eine Toleranz entwickelt, ich konnte wieder mit anderen konsumieren und habe das Meditieren immer mehr sein lassen, da ich ja keine durch Cannabis ausgelöste angst verspürte – weshalb sollte ich denn meditieren – wenn ich doch eh immer in einem Zustand des „highs“ bin…
Glücklicherweise hatte ich auch hier wieder die Einsicht gehabt, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich hatte mir meinen Konsum – die Sucht – gut geredet. Im Dezember 2022 hatte ich dann beschlossen, es ganz sein zu lassen.
Auch bin ich heute mit dem Alkoholkonsum vorsichtiger. Beide Substanzen füllen bei mir nun keine Lücke mehr. Ich brauche weder Alkohol, noch brauche ich Cannabis, um glücklich zu sein.
Den Alkohol hatte ich eine Zeitlang auch dafür genutzt, um extrovertierter zu sein und zeitgleich unter Menschen keine Panikattacke zu verspüren. Früher war ich weder introvertiert, noch litt ich unter Panikattacken – ich hatte mein altes Ich vermisst – heute akzeptiere ich mich sowie ich bin und lerne meine neue Persönlichkeit – mein neues Ich – zu lieben.
Ich habe die Ansicht, dass unser Gehirn ein Palast ist. Ein Palast, auf welches Sorge getragen werden muss. Heute empfinde ich es als nichts schöneres als präsent zu sein – im Klaren – bei vollem Bewusstsein. Beide Substanzen entzogen mir diese Fähigkeit. Auch entzogen sie mir die Fähigkeit mich meiner Realität, meinen Problemen zu stellen, da ich den Anschein hatte während des Konsums beider Substanzen keine Probleme zu haben – da ich ja während des Konsums ein Gefühl der Glückseligkeit wahrgenommen hatte.
Alkohol und Cannabis sollten meiner Meinung nach als Genussmittel betrachtet werden, wobei Cannabis aber im Gegensatz zu Alkohol auch aber in der Verwendung der Medizin einen Nutzen hat, wie bei der Therapie von Parkinson, Tourette usw. Alkohol hat in der Medizin den Nutzen der Desinfektion: das Töten von Bakterien und Viren – wie unsere Gehirnzellen…
Denn noch ist es meiner Meinung nach nichts verwerfliches sich seinem Alltag hin und wieder mit einer dieser beiden Substanzen zu entfliehen, so lange man sich im Bereich des Genusses, und nicht der Sucht befindet; so lange es einem keinen Schaden zu führt. Redet man sich die Sucht lange gut, so erkennt man die potenziellen Schäden (welche beide Substanzen) verursachen können eventuell zu spät. Weshalb eine Auszeit sicher nie etwas Schlechtes sein kann.
Auch das gehört zum Heilungsprozess. Einzuordnen was gut und was eher schlecht für einen ist. Falls du dir unsicher bist, wie du zu deinem Konsum stehst; probiere doch mal für eine längere Zeit die Substanz beiseitezulegen und beobachte dich selber.
Vermisst du es? Brauchst du es? Wie fühlst du dich?
Meine Erfahrung zeigen mir, dass ich durch beide Substanzen schnell in eine Sucht verfallen kann, ohne mir dem Bewusst zu sein. Ab wann ist man süchtig? Gestehe ich mir meine Sucht ein oder rede ich sie mir selbst schön? Ist es der tägliche Konsum oder fängt es bereits beim Gedanken an, sich am Montag wieder auf den Freitag zu freuen, um sich die Kante geben zu können? Könnte ich über Wochen ohne die Substanz(en) auskommen?
Wie sieht dein Konsum aus?
Cheers.