Namaste und herzlich Willkommen zu Davesyndrom.
Wir befinden uns bereits wieder in der hälfte des Jahres.
Seit meinem letzten Blogbeitrag, am 28. März 2024 sind wieder einige Monate verflogen.
Ich bin ein grosser Enthusiast, wenn es um ausdrucksstarke und bedeutungsvolle Wörter geht. Dies ist ein Grund, weshalb ich auch das Lesen für mich entdeckt hatte.
Seit ich in der Lage bin zu denken, ist mir die Kraft und die Wirkung von Worten bewusst. Vor ca. sechs Monaten, wurde ich auf das Wort und die Bedeutung von “Resilienz” aufmerksam – und darum sollte es heute gehen.
Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, sich von schwierigen Lebenssituationen zu erholen und trotz widriger Umstände psychisch gesund zu bleiben.
Aufgewachsen bin ich in eher schwierigen Verhältnissen. Ich möchte hier nicht die konkreten Ereignissen Schildern und in Selbstmitleid verfallen, sondern euch die Zusammenhänge zur Resilienz aufzeigen. Des Weiteren möchte ich mich nicht wie ein privilegierter undankbarer Mensch anhören, da ich ja in der Schweiz aufgewachsen bin und stets ein Dach über dem Kopf hatte. Ob man eine schöne oder eine unschöne Kindheit hatte, misst man meiner Meinung nach nicht zwangsweise anhand des sozialen Wohlstandes eines Landes oder einer Familie, sondern wie man sich als Elternteil gegenüber seinem Kind verhält. Ich bin mir aber bewusst, dass eine schlechte Infrastruktur einen grossen Einfluss auf das Wohlergehen eines Kindes haben kann – um das sollte es heute aber nicht gehen. Ob reich oder arm, gibt es in der Erziehung eines Kindes viele Sachen die man gut machen kann, aber auch einiges, an denen man wesentlich scheitern kann, welches eine grosse Auswirkung auf das Kind hat. Manches mag reversibel, anderes gar irreversibel sein.
Probleme gab es bei uns im Elternhaus viele. Spannend zu beobachten war aber auch, dass viele ehemaligen Freunde aus meiner Kindheit, auch Opfer von erheblichen Familiäre Probleme waren. Es waren die Kinder der Freunde meiner Eltern, mit denen ich einen grossen Teil meiner Kindheit verbracht hatte, welche ähnliches Erleben mussten.
Körperliche Gewalt, emotionaler Missbrauch, Geldprobleme und Schicksalsschlägen sind einige dieser Traumatischen Erlebnisse und Themen mit welchen wir aufgewachsen waren.
Leider gehörten diese zu unserem täglichen Brot, bis wir ein bestimmtes Alter erreicht haben. Das Alter, an dem wir uns auf verbaler Ebene zur Wehr setzen konnten.
Wir waren und sind nur ein winziger Bruchteil dieses Kuchens, welche solche Erlebnisse in ihrer Kindheit erleben mussten.
“Im Jahr 2023 registrierte die Polizei 19 918 Straftaten im häuslichen Bereich (2022: 19 978). Diese Zahl ist auf einem ähnlichen Niveau wie in den vergangenen vier Jahren (–0,3% im Vergleich zu 2022).” – Bundesamt für Statistik
Für mich ist das ganze rückblickend eine grosse Ironie: die Erziehung und die Handlungen in Form von häuslicher Gewalt, mit gleichzeitiger Erwartungshaltung an das Kind, dass es sich gut entwickelt, gute schulische Leistungen erbringt und glücklich sein sollte. Aber machen sich Hausaufgaben gut, wenn sie zuhause schreien? Hat ein Kind, welches in solchen Familiären Missständen aufwächst die gleiche Chancen? Es ist für mich sehr fragwürdig, wieso man einem Kind solchen schmerz antut. Es darf nicht sein, dass das versagen der Eltern massive psychische Probleme, Verhaltensstörungen und Posttraumatische Belastungsstörung auslösen kann, mit dem das Kind nach der Kindheit zu kämpfen hat und diese Erlebnisse aufarbeiten muss, damit es wieder Gefühle von Glückseligkeit erleben kann, welches im Prozess von Kind zum Erwachsenen kaputt gegangen ist. Wir sind wahrscheinlich die einzige Spezies auf diesem Planeten, bei welchem häusliche Gewalt ein Thema ist. Die Kindheit ist im Lebenszyklus des Menschen wohlmöglich das schönste, das man erleben darf und so sollte es auch behandelt werden. Jedes Kind ist ein wunder, ein Wesen mit voller Energie & Liebe – das darf von erwachsenen nicht kaputt gemacht werden.
Wie gerne würde ich doch mal wieder das Leben aus der Sicht meines kindlichen Ichs sehen…
Gewalt in jeglicher Form – aber vor allem – auf schwächere, jüngere und Kinder (das eigene Kind!) ist meiner Meinung nach menschliches Versagen auf grösstem Niveau und zeigt nichts anderes als Machtdemonstration und persönliche unreife. Ein Kind sollte unbedingt in einem wohlbehütetes Elternhaus mit Liebe & Zuneigung aufwachsen. Erwachsene können ganz schön egoistisch sein, man stelle sich beispielsweise vor, wie oft das folgende Szenario passiert: dass zwei Menschen ein Kind auf die Welt setzen, in der Hoffnung eine gescheiterte Ehe wiederherzustellen, um anschliessend zu erkennen, dass dies nicht die Lösung war – auf Kosten des Kindes.
Ich bin der festen Überzeugung, dass das Zusammenleben und die Welt ein besserer Ort wäre, würden nicht so viele Kinder in solch Missständen aufwachsen müssen.
“You don’t teach your children not to hit people by hitting them. You don’t teach your children not to scream by screaming at them. You don’t teach your children to be respectful by disrespecting them. You don’t teach your children how to do anything by subjecting them to physical, emotional, or verbal abuse as a form of discipline.”
Ich ziehe vor jedem einzelnen den Hut, welcher trotz einer schwierigen Kindheit, etwas aus seinem Leben gemacht hat. Hier geht es nicht um Erfolg im Sinne des schulischen oder beruflichen Werdegangs, sondern um die Tatsache, dass man das Schicksal akzeptiert, vergeben und in die eigene Hand genommen hat, und darüber hinaus immer noch in der Lage ist, Rücksicht auf seine Mitmenschen und auf sich selbst zu nehmen und das Leben immer noch als einen Ort der Einzigartigkeit und Schönheit wahrnehmen kann und Liebe in all seinen Formen zu geben und zu spüren.
Falls du dich hier angesprochen fühlst, ist es höchste Zeit, dir einmal selbst auf die Schulter zu klopfen, für die Leistung, welche du auf seelischer und menschlicher Ebene erbracht hast – Chapeau.
Der Prozess dieser Heilung, war bei mir ein langer Weg. Ich habe vergeben und akzeptiert, dass die Dinge so liefen, wie sie liefen. Ich möchte dir hiermit auch Mut machen, den Menschen zu vergeben und dein Schicksal zu akzeptieren – für deine eigene Heilung – Amor fati.
Cheers.